Nachhaltigkeit – Mehr als Energiesparlampe

Einblicke in die 64. BDO-Fachtagung, welche am 15. November 2021 an der Hochschule Geisenheim stattfand


Nachdem die letztjährige BDO-Fachtagung wegen der Corona-Pandemie nur online abgehalten werden konnte, war es dieses Jahr möglich, die 64. BDO-Fachtagung, die wieder in Geisenheim stattfand, im Hybridformat ablaufen zu lassen, sowohl in Präsenz, als auch online. Um die Hygieneregeln einhalten zu können, durfte nur eine bestimmte Anzahl von Tagungsgästen im Gerd-Erbslöh-Hörsaal anwesend sein. Daraus ergab sich, dass die meisten der Teilnehmenden online der Tagung zugeschaltet waren.

Sowohl im Chat als auch bei den Fragerunden vor Ort herrschte eine sehr rege interaktive Diskussionsfreude. Daraus war wiederum eindeutig abzuleiten, dass das gewählte Tagungsthema der Nachhaltigkeit sehr viele Kolleginnen und Kollegen brennend interessiert.

Im Folgenden werden die Kurzzusammenfassungen der Vorträge nochmals jedes Einzelthema anreißen:


Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Oenologie? – Kritische Fragen und Bestandsaufnahme

Dipl.-Oen. (FH) Achim Dörr, Prof. Dr. Monika Christmann,

Institut für Oenologie, Hochschule Geisenheim

Was versteht man unter „Nachhaltigkeit“

Brundtland-Report definiert 1987 „Nachhaltige Entwicklung“ „Humanity has the ability to make development sustainable – to ensure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs.“

Agenda 2030 – 17 Nachhaltigkeitsziele der UN (Sustainable Development Goals, SDG), 2015 von der UN-Vollversammlung verabschiedet: Ziel ist es, innerhalb von 15 Jahren verschiedene Maßnahmen zu initiieren, um die Lebensverhältnisse auf dem gesamten Planeten zu verbessern. Gleichzeitig soll für künftige Generationen ein Schutz der Erde sichergestellt werden. Die Eckpfeiler bilden weltweiter wirtschaftlicher Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und der Schutz der Umwelt. Entlang dieser drei Dimensionen – Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt – definiert die Agenda 2030 insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele.

„Nachhaltigkeit“ ist eine langwierige und detailreiche Aufgabe in der Forschung, der Erstellung und Priorisierung von Daten und der Umsetzung.

Warum sind solche Systeme wichtig?

• Ressourcen werden knapper

• Klimawandel

• Weltbevölkerung wächst

• 71 Prozent glauben, dass es in den kommenden fünf Jahren an Bedeutung zunehmen wird.

• Knapp die Hälfte (48 Prozent) der 30- bis 39-Jährigen und

• 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen würde dafür tiefer in die Tasche greifen.

• Nur 28 Prozent der Verbraucher über 65 Jahre würde mehr Geld für umweltfreundliche Produkte ausgeben.



Ressourceneffizienz in Weinkellereien

Dr. Maximilian Freund, Institut für Oenologie, Hochschule Geisenheim

Durch die Verknappung der natürlichen Rohstoffe wie nachwachsende und nichterneuerbare Rohstoffen, Fläche, Energie, Wasser, Boden und Luft, steigende Kosten und ökologische motivierte Aspekte gewinnt Stoffstrommanagement auch in Weinkellereien immer mehr zur Steuerung einer sparsamen und effizienten Verwendung dieser Ressourcen im Sinne eines vorsorgenden betrieblichen Umweltschutzes (Cleaner Production) an Bedeutung. Eine Gesamtbilanzierung beinhaltet sowohl die für die Weinproduktion eingesetzten, dabei umgewandelten, veränderten bzw. verbrauchten Materialien sowie die die Weinkellerei verlassenden Produkte, Abfälle und Emissionen. Ein umfassendes und erfolgreiches Gesamtkonzept im Sinne einer effizienten Ressourcennutzung und einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft basiert auf den Grundsätzen Vermeiden, Verringern, Ersetzen, Wiederverwendung, Recycling, sonstige Verwertung (z. B. energetisch). Eine Beseitigung (Deponie) sollte vermieden werden. Mit Hilfe Betrachtung der Materialströme wurde aufgezeigt, dass durch Nutzung umweltfreundlicher, emissionsarmer Energie wie Biomasse, Sonne, solarthermische Kälte oder KWK-Kopplung sowie Materialien wie Grasfasern, Biokunststoffe, Kältemittel ein Beitrag zu einer zukunftsorientierten Ressourcennutzung geleistet werden kann. Auch die Nutzung von Sekundärmaterialien wie Altpapier, Aluminium, Glas, Kunststoffe, Holz können Rohstoff, Energie und Wasser einsparen und sind im Sinne einer Kreislaufführung von allen Partnern beginnend von den Lieferanten, der Weinbranche, dem Handel, dem Verbraucher bis zum Entsorger bzw. Wiederverwerter in Zusammenarbeit zu fördern und auszubauen. Aus dieser Sicht ist die Bedeutung der verschiedenen genutzten Verpackungen, nicht nur des Produkts Weins, hervorzuheben. Dies macht gleichzeitig deutlich, dass bei der Ressourcennutzung Aspekte der vor- und nachgelagerten Bereiche berücksichtigt werden müssen. So spart der Einsatz einer Leichtglasflasche keine eigene Energie, aber Energie bei der Herstellung und dem Transport. Für letzteren gilt gleichzeitig, je regionaler die Beschaffung, der Vertrieb, umso geringer die Verbräuche. Auch im Bereich der oenologischen Maßnahmen sind die Prinzipien Vermeiden, Vermindern und Ersetzen bei der Prozessführung wie Truberzeugung, Klärgrad, Gärtemperatur, dem Einsatz sparsamere Technologien (Energie und Wassernutzung) und einem gezielten Einsatze zu achten. Dabei müssen neben den umweltrelevanten Aspekten wie Gefährlichkeit und Verwertbarkeit auch die Bereiche Qualität, Lebensmittelsicherheit und Arbeitswirtschaft sowie der Arbeitsschutz einbezogen werden. Dies wurde an den Beispielen wie Filtration, Weinsteinstabilisierung sowie Energieeinsparpotentialen der Verbrauchergruppen und der Abwärmenutzung kurz erläutert. Anhand der Nebenströme und Wertstoffe Trester, Hefetrub und Gärungskohlensäure wurde versucht, aufzuzeigen, dass diese Stoffströme Möglichkeit einer Weiternutzung hinsichtlich Wertstoffe und Energie bieten. Diese aber meist nur in Form von betriebsübergreifenden, brancheninternen und -übergreifenden Kooperationen und regional sehr unterschiedlich umsetzbar sind.


Nachhaltigkeit im Weinmaschinenbau

Rudolf Fischer, Scharfenberger GmbH & Co. KG

• Was bedeutet das Thema Nachhaltigkeit für Unternehmen im Maschinenbau?

• Sind Nachhaltigkeit und wirtschaftliches Wachstum miteinander vereinbar?

An Morgen denken und nachhaltige Entscheidungen für künftige Generationen und unsere Umwelt abwägen ist für jeden Einzelnen wie auch für mittelständische Firmen eine Herausforderung. Dabei müssen wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Erfolg mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit abgestimmt werden. Das ist in der Praxis nicht immer leicht zu realisieren. Ökologische, ökonomische und soziale Aspekte werden bei Scharfenberger Maschinenbau bereits erfolgreich vereint:

UMWELT Zulieferer und Lieferanten werden von Scharfenberger Maschinenbau bewusst ausgewählt, damit die Logistikwege möglichst kurz und auch die Einhaltung von Menschenrechten gewährleistet sind. Das Gebäudemanagement und die Energieeffizienz sind weitere zentrale Themen der Ökologie; Die Hallendächer von Scharfenberger sind großflächig mit Solarmodule bedeckt. Eine moderne Pelletheizung sorgt zudem für Wärme. Bei der Begrünung der Außenanlage wurde auf insektenfreundliche Pflanzen bzw. Stauden geachtet.

WIRTSCHAFT Wertbeständigkeit sowie eine hohe Qualität der Traubenpressen und kompletten Traubenannahmestationen gewährleisten einen langlebigen Einsatz. Um den Reinigungsprozess der Maschinen kurz und den Wasserverbrauch niedrig zu halten setzt das Unternehmen auf leicht zu reinigende Edelstahloberflächen.

GESELLSCHAFT Integration von Flüchtlingen, nachhaltiges Glück der Mitarbeiter wie z.B. Elternzeiten, faire Löhne, Weiterbildungsmaßnahmen, Gesundheitsförderung und Events in lockerer Atmosphäre liegen in der sozialen Verantwortung des Unternehmens. Grundsteine für nachhaltiges Arbeiten sind außerdem die Kompetenzförderung der Mitarbeiter, eine effiziente Produktion mit modernen Werkzeugen und Anlagen bis hin zur optimalen Realisierung der Kundenanforderungen. Weiterführende Serviceangebote zur Wartung und Instandhaltung sichern einen langlebigen Einsatz der Maschinen. Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung gehören unweigerlich zusammen. Mit der größtmöglichen Schnittmenge aus diesen Bereichen und einer gehörigen Portion Innovationskraft sieht Scharfenberger Maschinenbau diese Aspekte als echte Chance und Notwendigkeit, um die Zukunft für das Unternehmen sowie für alle Winzerinnen und Winzer zu sichern.



Die drei wichtigsten Klimaschutzmaßnahmen für Wein

Dr. Helena Ponstein, Gründerin klimaneutralerwein.de

Der Klimawandel gilt als eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, die weltweit tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Umwälzungen hervorruft. Auswirkungen auf unsere Gesundheit und auf die Ökosysteme sind jetzt schon spürbar, wie beispielsweise die Hitzewellen und langen Trockenperioden in den letzten Jahren verdeutlicht haben. Anfang November haben Wissenschaftler von der NASA und des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) festgestellt, dass die tiefgreifenden Veränderungen für die Landwirtschaft bereits innerhalb der nächsten Dekade deutlich spürbar werden und nicht erst in ferner Zukunft. Unter dem Strich sinken die Flächen weltweit, auf denen Ackerbau – und auch Weinbau – betrieben werden kann. Die Weinbranche wird von der globalen Erwärmung nicht nur empfindlich getroffen, sie trägt durch ihren Verbrauch an Energie und Materialien selbst zum Klimawandel bei. Dadurch haben Betriebe der Weinbranche die Möglichkeit, vielleicht auch die Verpflichtung, selbst zu handeln und zur Eindämmung des Klimawandels aktiv beizutragen. Das Bewusstsein wächst, das die Notwendigkeit besteht, effektiv Klimaschutz zu betreiben, um die zukünftigen Lebensgrundlagen zu erhalten. Klimafreundliches Handeln wird daher von Kunden und Geschäftspartnern zunehmend geschätzt. In diesem Vortrag ging es um die drei wichtigsten Maßnahmen, die in der Weinbranche gegen den Klimawandel unternommen werden können. Die wichtigste Klimaschutzmaßnahme betrifft die Verpackung. Die traditionelle Glasflasche ist der größte einzelne Posten in der Emissionsbilanz von Wein. Eine wesentliche Verbesserung kann entweder durch Bag-in-Box oder durch ein Mehrweg-System für Glasflaschen erreicht werden. Die Leichtglasflasche ist zwar eine echte Verbesserung, reicht aber nicht aus, um die Klimaschutzziele mittelfristig zu erreichen. Bis 2045 wird Deutschland klimaneutral sein, weshalb alle Möglichkeiten zur Kreislaufwirtschaft genutzt werden müssen. Die zweite elementare Maßnahme betrifft die Dekarbonisierung der Energieträger: Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas müssen durch klimafreundliche Alternativen ersetzt werden und natürlich effizient verwendet werden. Die wichtigsten Energieträger der Zukunft sind Strom aus Erneuerbaren Energien und Wasserstoff. Die dritte Maßnahme betrifft Ressourceneffizienz im Weinberg. Neben einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen ist es vor allem wichtig, das Kontingent der Erntemengen auszuschöpfen: Je mehr Weintrauben geerntet werden, desto geringer ist in unserem Weinbausystem der CO2-Fußabdruck durch diese Wertschöpfungsstufe je Flasche Wein. In Anbetracht der Herausforderungen, die das 21. Jahrhundert stellt, ist die Weinbranche heute dazu aufgerufen, in ei