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Alumni im Porträt: PhD Andrii Tarasov

Aktualisiert: 10. Juli 2023



Name, Vorname, Titel: PhD Andrii Tarasov

Abschlussjahr: 2015

Abschluss: M.Sc. Viticulture and Enology

Studiengang/Studienort: Vinifera EuroMaster






1. In welchem/r Betrieb / Unternehmen / Einrichtung sind Sie aktuell tätig und welches Aufgabengebiet / Tätigkeitsfeld verantworten Sie dort?


Ich bin Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Geisenheim. Ich arbeite seit 2015 im Institut für Oenologie und unterrichte Weinchemie, betreue eine Gruppe von Studierenden im Modul „Oenologie-Projekt“ und leite Seminare in sensorischer Analyse.


2. Wo sehen Sie die deutsche Weinbranche in zehn Jahren? Was wird sich Ihrer Meinung nach in der Zukunft ändern?


Die deutsche Weinwirtschaft vereint erfolgreich zwei wichtige Aspekte: Respekt vor Traditionen und Offenheit für neue technologische Lösungen. Daher erwarte ich, dass bei der Weinproduktion immer mehr Technologien im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit zum Einsatz kommen werden, etwa neue Materialien und Arten von Weinverpackungen. Darüber hinaus kann ich mir eine tiefere Integration von IT-Technologien in die Weinbranche vorstellen. Wie zum Beispiel Virtual Reality für Weinproben, die an unserer Hochschule bereits aktiv erforscht wird.

Was die Weine selbst betrifft, sind deutsche Weine schon wunderbar J


3. Was sind Ihrer Meinung die zukünftigen Herausforderungen?


Wenn ich nur zwei Gruppen von Herausforderungen nennen müsste, würde ich mich zunächst auf Nachhaltigkeit und Klimawandel konzentrieren. Eine der Strategien, mit ihnen umzugehen, ist die Einführung neuer Rebsorten, insbesondere PiWi-Hybride.

Die zweite Gruppe von Herausforderungen betrifft die Reduzierung des Alkoholgehalts im Wein (aufgrund veränderter Verbraucherpräferenzen und erneut des Klimawandels). Und wenn wir über die vollständige Entfernung von Alkohol aus Wein sprechen, dann führt diese Frage zu einer Neubetrachtung dessen, was Wein an sich ist und was wir in Zukunft von alkoholfreien Weinen erwarten können/sollten.


4. Was haben Sie studiert? Wann und wo haben Sie Ihr Studium abgeschlossen?


Zuerst habe ich Chemie in Kiew (Ukraine) studiert und 2009 an der Taras-Schewtschenko-Nationaluniversität Kiew promoviert. Dann habe ich mehrere Jahre im Chemiebereich gearbeitet und festgestellt, dass meine zweite Leidenschaft neben der Chemie der Wein ist. Im Jahr 2013 begann ich im Vinifera Euromaster-Programm zu studieren: 1. Jahr in Montpellier und Bordeaux in Frankreich, 2. Jahr in Geisenheim, Deutschland. Nach meinem Abschluss im Jahr 2015 begann ich an der Hochschule Geisenheim zu arbeiten und kombinierte meine beiden Hintergründe, Chemie und Wein.


5. Welches Thema haben Sie in Ihrer Abschlussarbeit behandelt? Wer war die/der Betreuende Ihrer Abschlussarbeit?


Meine Masterarbeit befasste sich mit der Migration von TCA durch die Flaschenverschlüsse. TCA ist eine Verbindung, die in Weinen einen „korkigen Geschmack“ verursachen kann. Es war sehr spannend, mit meinen Betreuern Dr. Volker Schäfer und Prof. Dr. Rainer Jung auf diesem Gebiet zu arbeiten. Später arbeiteten wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnern Amorim Cork (Portugal) und Diam (Frankreich), Herstellern von Weinstopfen, weiter an verschiedenen TCA-Themen. Wenn Sie an den neuesten Updates zum TCA-Problem bei Korken und Wein interessiert sind, können Sie gerne unser aktuelles Buchkapitel im Open Access herunterladen (es ist unter dem Namen „State-of-the-Art Knowledge about 2,4,6-Trichloroanisole (TCA) and Strategies to Avoid Cork Taint in Wine“ zu finden).


6. Haben Sie während oder vor Ihrem Studium eine Berufsausbildung absolviert? In welchen Betrieben/Unternehmen haben Sie Ihre Berufsausbildung gemacht?


Nach meinem ersten Studienjahr in Frankreich absolvierte ich ein mehrmonatiges Praktikum im Elsass, im biodynamischen Weingut „Domaine Valentin Zusslin“. Es war ein einzigartiges Erlebnis, zum Beispiel zu sehen und zu lernen, wie man mit einem Pferd im Weinberg arbeitet und später wunderschöne Riesling-, Pinot Noir-, Gewürztraminer- und andere Weine vinifiziert. Ich habe noch einige Flaschen von dort, die ich manchmal zu meinen Geburtstagen öffne.


7. In welchen Betrieben/Unternehmen/Einrichtungen/Bereichen haben Sie bisher gearbeitet? Was haben Sie daraus für wertvolle Erfahrungen mitgenommen?


Während meiner Chemie-Karriere habe ich mehrere Jahre in der Ukraine in einem Chemieunternehmen gearbeitet und auch ein bisschen als Journalist. Seit 2015 bin ich im Weinbereich tätig und arbeite an der Hochschule Geisenheim. Parallel dazu bin ich Chefredakteur (Oenologie) der IVES Conference Series-Plattform (Bordeaux, Frankreich). IVES ist eine gemeinnützige Organisation, die viele Universitäten und Partner auf der ganzen Welt vereint und deren Aufgabe es ist, Weinwissen auf freier Basis unter Wissenschaftlern, Weinfachleuten und Weinliebhabern zu verbreiten.


8. Wie wichtig erachten Sie es, im Studium und/oder danach Erfahrungen im Ausland zu machen? Wie sind Ihre persönlichen Erfahrungen?


„Man muss reisen, um zu lernen“, schrieb Mark Twain in einem seiner Bücher. Und das ist besonders relevant, wenn Sie Wein studieren. Wir können zum Beispiel stundenlang über Portwein sprechen und dutzende Proben probieren. Aber die einzige Möglichkeit, das gesamte Konzept des Portweins zu verstehen, ist ein Besuch im Douro-Tal und in Porto. Und wenn die Möglichkeit besteht, ein Semester im Ausland zu verbringen oder ein internationales Praktikum zu absolvieren, kann ich dies nur wärmstens empfehlen.


9. Was sind die schönsten Erinnerungen an Ihre Studienzeit?


Das unvergesslichste Erlebnis für mich war das Reisen, Leben und Studieren in verschiedenen Ländern Europas. Es war wundervoll, die schöne Vielfalt der Kulturen und Traditionen und gleichzeitig die starke Einheit der Menschen zu sehen, die auf den gemeinsamen Vorstellungen von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit basiert. Es war großartig, verschiedene Weine, Universitäten und alte Architektur zu entdecken und zu beobachten, wie sich das Konzept des vereinten Europas im Laufe der Jahrhunderte entwickelte, beginnend vor mehr als tausend Jahren mit Karl dem Großen, dem „Vater Europas“.


10. Warum hat es sich für Sie gelohnt, ein Studium im Bereich Wein zu studieren?


Durch das Weinstudium lernen wir parallel viel über Geschichte, Geographie, Kultur und Wirtschaft. Es ermöglicht uns, einen Wein durch das Prisma historischer Ereignisse, Menschen und geografischer Lage zu betrachten. Zum Beispiel, bei unseren Studienreisen in die Champagne (mit Manuela Ortner) besuchen wir nicht nur Champagnerhäuser, sondern nehmen unsere Studierenden auch mit, um die wunderschöne Kathedrale von Reims zu besichtigen, in der etwa dreißig Könige von Frankreich gekrönt wurden. Dies ermöglicht ein besseres Verständnis des Phänomens Champagnerwein und seiner historischen Verbindung mit dem Königtum.


11. Was würden Sie Studieninteressierten empfehlen, die sich überlegen, ein Studium/eine Berufsausbildung im Weinbereich zu machen?


Zunächst würde ich empfehlen, zu klären, ob Wein wirklich ihre Leidenschaft ist (und es nicht nur um Weintrinken geht J). Wenn ja, dann denken sie über ihren zukünftigen Beruf in dieser Branche nach. Nicht jeder wird Winzer. Viele Menschen offenbaren ihre Talente im Weinjournalismus, im Weinverkauf und -marketing, im Weintourismus oder sogar in der wissenschaftlichen Weinforschung. Eine akademische Ausbildung im Weinbereich (z. B. Bachelorstudiengang „International Wine Business“ an der Hochschule Geisenheim) ist ein guter Ausgangspunkt für viele weinbezogene Berufe.



Kontaktadresse:

Hochschule Geisenheim

Von-Lade-Straße 1

65366 Geisenheim


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